Wer kennt das nicht: Man wartet gefühlt eine Ewigkeit, bis sich eine größere Datei über Dropbox synchronisiert hat, obwohl der Kollege im Büro nebenan dieselbe Datei gerade erst hochgeladen hat. Die LAN-Synchronisation von Dropbox löst genau dieses Problem, indem sie Dateien direkt zwischen Geräten im lokalen Netzwerk überträgt, statt den Umweg über die Cloud-Server zu nehmen. Doch die wenigsten Nutzer haben je von dieser versteckten Funktion gehört, die seit Jahren in den Tiefen der Einstellungen schlummert.
Warum die LAN-Synchronisation ein echter Game-Changer ist
Das Prinzip dahinter ist genial einfach: Wenn mehrere Geräte in Ihrem Netzwerk auf dieselben Dropbox-Dateien zugreifen, werden die Daten direkt zwischen den Geräten übertragen – ähnlich wie bei einer klassischen Dateifreigabe im Heimnetzwerk. Der Geschwindigkeitsvorteil ist dabei nicht zu unterschätzen. Während Ihre Internetleitung vielleicht mit 50 oder 100 Mbit/s arbeitet, schafft ein modernes WLAN locker 300 bis 600 Mbit/s, ein kabelgebundenes Netzwerk sogar 1000 Mbit/s und mehr. Bei größeren Dateien oder Ordnern macht sich dieser Unterschied extrem bemerkbar.
Eine wichtige technische Voraussetzung sollten Sie dabei kennen: Die LAN-Synchronisation funktioniert ausschließlich in IPv4-Netzwerken. Wenn Ihr Netzwerk nur IPv6 unterstützt, steht Ihnen diese Funktion leider nicht zur Verfügung. Das ist einer der wenigen Wermutstropfen dieser ansonsten brillanten Technologie.
Die clevere Technologie dahinter
Dropbox nutzt für die LAN-Synchronisation eine clevere Peer-to-Peer-Technologie mit UDP-Broadcast-Paketen. Sobald ein Gerät in Ihrem Netzwerk eine Datei herunterlädt oder aktualisiert, sendet es Signale an andere Dropbox-Clients im selben Netzwerk. Diese Clients erkennen, dass die benötigte Datei bereits lokal verfügbar ist, und fordern sie direkt vom anderen Gerät an – ganz ohne Umweg über das Internet.
Das Beste daran: Die Sicherheit bleibt vollständig gewahrt. Auch bei der direkten Übertragung im lokalen Netzwerk werden die Daten verschlüsselt übertragen. Die Geräte stellen eine verschlüsselte HTTPS-Verbindung untereinander her, wobei sie Anmeldedaten verwenden, die für das Konto oder den freigegebenen Ordner einzigartig sind. Dropbox verifiziert außerdem die Integrität jeder übertragenen Datei, sodass keine Gefahr besteht, dass beschädigte oder manipulierte Dateien übernommen werden.
So aktivieren Sie die versteckte Funktion
Die LAN-Synchronisation muss in den Einstellungen aktiviert werden, was viele Nutzer schlicht nicht wissen. Der Weg dorthin ist relativ versteckt, aber mit dieser Anleitung finden Sie schnell hin:
- Klicken Sie auf das Dropbox-Symbol in Ihrer Taskleiste oder Menüleiste
- Öffnen Sie die Einstellungen über das Zahnrad-Symbol
- Wechseln Sie zum Reiter Netzwerk
- Hier finden Sie die Option LAN-Synchronisation zum Aktivieren
Ein wichtiger Hinweis von Dropbox selbst: Die LAN-Synchronisation sollte nur bei Bedarf aktiviert werden. Wenn die Funktion ständig aktiviert ist, kann dies zu einer Überlastung Ihres lokalen Netzwerks und zu einer langsameren Internetverbindung führen. Am besten aktivieren Sie sie gezielt dann, wenn Sie wissen, dass größere Dateien im Team synchronisiert werden müssen.
Wann Sie die Funktion lieber ausschalten sollten
Es gibt tatsächlich mehrere Szenarien, in denen die Deaktivierung der LAN-Synchronisation sinnvoll sein kann. In öffentlichen Netzwerken wie Cafés, Coworking-Spaces oder Hotels sollten Sie die Funktion aus Datenschutzgründen ausschalten. Die UDP-Broadcast-Pakete enthalten zwar keine sensiblen Informationen wie Dateinamen, aber andere Dropbox-Nutzer im selben Netzwerk können erkennen, dass bestimmte Konten oder freigegebene Ordner aktiv sind.
Auch in großen Firmennetzwerken kann es zu Konflikten kommen. Manche IT-Abteilungen blockieren die für die LAN-Synchronisation benötigten Netzwerkprotokolle aus Sicherheitsgründen oder weil sie den internen Netzwerkverkehr kontrollieren möchten. In solchen Fällen führt die aktivierte Funktion nur zu unnötigen Verbindungsversuchen, die ohnehin scheitern.

Ein weiterer Grund für die Deaktivierung: Wenn Sie mit sehr sensiblen Daten arbeiten und absolut sicherstellen möchten, dass diese nur über die offiziellen Dropbox-Server laufen, können Sie die direkte Peer-to-Peer-Übertragung unterbinden. Die Daten durchlaufen dann immer Dropbox‘ Server-Infrastruktur, was zusätzliche Logging- und Kontrollmöglichkeiten bietet.
Praktische Anwendungsszenarien im Alltag
Die LAN-Synchronisation entfaltet ihre Stärken besonders in bestimmten Situationen. Im Home-Office mit mehreren eigenen Geräten wird die Arbeit deutlich flüssiger. Wenn Sie etwa ein großes Video-Projekt auf dem Desktop-PC bearbeiten und später auf dem Laptop weiterarbeiten möchten, erfolgt die Synchronisation blitzschnell über Ihr heimisches Netzwerk – vorausgesetzt, Sie aktivieren die Funktion rechtzeitig.
In kleinen Büros oder Agenturen mit mehreren Mitarbeitern, die gemeinsam an Projekten arbeiten, potenziert sich der Effekt. Lädt ein Kollege morgens eine 500 MB große Design-Datei hoch, müssen die anderen Teammitglieder diese nicht mehr einzeln aus der Cloud ziehen. Stattdessen verteilt sich die Datei rasend schnell über das lokale Netzwerk – oft in Sekunden statt Minuten.
Besonders clever: Die Funktion arbeitet auch dann, wenn nur ein Teil der Datei lokal verfügbar ist. Dropbox nutzt eine blockbasierte Architektur und versucht zunächst, Datenblöcke direkt von Geräten im lokalen Netzwerk zu laden. Nur wenn das fehlschlägt, werden die fehlenden Teile aus der Cloud nachgeladen. Das beschleunigt sogar Szenarien, in denen nicht alle Geräte exakt denselben Stand haben.
Häufige Probleme und deren Lösung
Manchmal funktioniert die LAN-Synchronisation nicht wie erwartet, obwohl sie aktiviert ist. Das häufigste Problem sind Firewall-Einstellungen, die die benötigten Netzwerkprotokolle blockieren. Überprüfen Sie Ihre Firewall-Regeln sowohl auf dem Gerät selbst als auch auf Ihrem Router und stellen Sie sicher, dass UDP-Broadcast-Pakete nicht blockiert werden.
Ein weiteres Hindernis können unterschiedliche Subnetze sein. Wenn Ihr Router beispielsweise Gäste-WLAN und normales WLAN in getrennten Netzwerksegmenten betreibt, können die Geräte sich nicht für die LAN-Synchronisation finden. Stellen Sie sicher, dass alle relevanten Geräte im selben Netzwerksegment angemeldet sind.
Auch veraltete Dropbox-Versionen können Probleme bereiten. Die LAN-Synchronisation wurde über die Jahre mehrfach optimiert, und ältere Clients kommunizieren möglicherweise nicht optimal mit neueren Versionen. Ein Update aller Dropbox-Installationen im Netzwerk kann Wunder wirken.
Vergessen Sie nicht zu prüfen, ob Ihr Netzwerk IPv4 unterstützt. In reinen IPv6-Umgebungen wird die LAN-Synchronisation grundsätzlich nicht funktionieren, da die Technologie ausschließlich auf IPv4 basiert.
Performance-Vergleich in der Praxis
Um den Unterschied wirklich zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf konkrete Zahlen. Bei einer typischen DSL-Leitung mit 50 Mbit/s Download dauert das Herunterladen einer 1 GB großen Datei etwa 2,5 Minuten. Im lokalen Gigabit-Netzwerk schrumpft diese Zeit auf unter 10 Sekunden – ein Unterschied von Faktor 15!
Selbst bei schnellen Glasfaseranschlüssen mit 250 Mbit/s bleibt das lokale Netzwerk deutlich schneller. Hinzu kommt, dass Sie Ihre Internet-Bandbreite für andere Aufgaben freihalten. Gerade wenn mehrere Personen gleichzeitig größere Dateien synchronisieren, macht sich das positiv bemerkbar.
Die Funktion ist eines dieser versteckten Features, die den Alltag spürbar verbessern können, wenn man sie gezielt einsetzt. Dropbox hat hier eine technisch elegante Lösung geschaffen, die leider viel zu wenig bekannt ist. Ein kurzer Check in den Einstellungen und die bewusste Aktivierung bei Bedarf lohnen sich definitiv – Ihre Wartezeit bei der nächsten großen Synchronisation wird es Ihnen danken.
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