Warum ältere iPhones immer langsamer werden: Was Apple dir nie erzählt hat und wie du es behebst

Wer ein älteres iPhone besitzt, hat es vielleicht schon bemerkt: Das Gerät fühlt sich plötzlich träger an, Apps öffnen sich langsamer, und selbst simple Aufgaben wie das Tippen einer Nachricht wirken zäh. Was viele zunächst als normalen Alterungsprozess abtun, hat oft eine ganz konkrete technische Ursache – und die liegt tiefer, als man zunächst vermuten würde.

Das versteckte Feature, das für Furore sorgte

Ende 2017 deckte ein Reddit-Nutzer etwas auf, das Apple in eine der größten PR-Krisen seiner Geschichte stürzte. Durch Benchmark-Tests fiel auf, dass iPhones mit älteren, abgenutzten Batterien merklich langsamer liefen als baugleiche Modelle mit frischen Akkus. Was zunächst wie eine Verschwörungstheorie klang – Apple drosselt absichtlich die Leistung älterer Geräte – stellte sich als Tatsache heraus. Allerdings steckte dahinter eine andere Intention als geplante Obsoleszenz.

Apple bestätigte damals, dass iOS tatsächlich eine Funktion enthält, die unter bestimmten Bedingungen die Prozessorleistung reduziert. Der offizielle Name: Performance Management oder auf Deutsch Batterie-Management. Doch statt Nutzer zum Neukauf zu drängen, sollte diese Maßnahme ein anderes, noch störenderes Problem verhindern: unerwartete Abschaltungen mitten im Betrieb.

Warum drosselt Apple überhaupt die Leistung?

Um das zu verstehen, muss man einen Blick auf die chemischen Eigenschaften von Lithium-Ionen-Akkus werfen. Diese Batterietypen, die in praktisch allen modernen Smartphones stecken, verlieren mit der Zeit an Leistungsfähigkeit. Zwei Faktoren sind dabei entscheidend: die maximale Ladekapazität sinkt, und die sogenannte Spitzenleistungsfähigkeit nimmt ab.

Während die schrumpfende Kapazität dazu führt, dass sich die Akkulaufzeit verkürzt, hat die nachlassende Spitzenleistungsfähigkeit eine andere Konsequenz. Eine degradierte Batterie kann nicht mehr die gleichen Stromspitzen liefern wie im Neuzustand. Wenn der Prozessor jedoch unter Volllast läuft – etwa beim Starten einer aufwendigen App, beim Fotografieren mit aktiviertem Blitz oder beim Laden mehrerer Webseiten gleichzeitig – fordert er genau solche Stromspitzen an.

Kann die Batterie diese nicht mehr bereitstellen, registriert das System eine kritische Unterspannung. Die Folge: Das iPhone schaltet sich als Schutzmaßnahme abrupt ab, selbst wenn die Akkuanzeige noch 30, 40 oder sogar 50 Prozent zeigt. Genau dieses Problem trat bei älteren iPhone-Modellen gehäuft auf und frustrierte Millionen von Nutzern weltweit.

Die Lösung: Prozessor-Drosselung als Sicherheitsnetz

Apples Antwort auf dieses Dilemma war das besagte Performance-Management-System. Sobald iOS eine unerwartete Abschaltung aufgrund von Batterieproblemen registriert, aktiviert sich automatisch eine Drosselung. Der A-Series-Chip reduziert dann seine maximale Taktfrequenz und begrenzt auch andere leistungshungrige Systemkomponenten.

Die Auswirkungen sind spürbar: Die Bildwiederholrate kann sinken, die Hintergrundbeleuchtung wird gedimmt, Lautsprecher werden leiser, und rechenintensive Apps starten verzögert. Im Gegenzug bleibt das iPhone aber zuverlässig an – selbst mit einer gealterten Batterie. Apple traf also eine bewusste Entscheidung: Lieber ein langsameres, aber funktionierendes Gerät als ein schnelles, das sich ständig unerwartet verabschiedet.

Welche iPhone-Modelle sind betroffen?

Das Performance-Management wurde erstmals mit iOS 10.2.1 für das iPhone 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus und SE eingeführt. Mit iOS 11.2 erweiterte Apple die Funktion auf das iPhone 7 und 7 Plus, später dann auf das iPhone 8, 8 Plus und iPhone X. Grundsätzlich gilt: Alle iPhones mit Lithium-Ionen-Akkus können prinzipiell betroffen sein, sobald die Batterie entsprechend gealtert ist.

Interessanterweise spielt nicht nur das Alter eine Rolle. Auch die Ladezyklen, die Umgebungstemperatur und die Nutzungsintensität beeinflussen, wie schnell eine Batterie ihre Spitzenleistungsfähigkeit verliert. Ein zwei Jahre altes iPhone, das überwiegend in klimatisierten Räumen genutzt wurde, kann besser dastehen als ein einjähriges Gerät, das regelmäßig extremer Hitze oder Kälte ausgesetzt war.

So prüfst du den Batterie-Status deines iPhones

Nach der öffentlichen Kontroverse machte Apple das Feature transparent und führte detaillierte Informationen direkt in iOS ein. Um herauszufinden, ob dein iPhone von der Leistungsdrosselung betroffen ist, navigiere zu Einstellungen > Batterie > Batteriezustand & Laden.

Hier findest du zwei wichtige Angaben: Die maximale Kapazität zeigt in Prozent an, wie viel Ladekapazität im Vergleich zum Neuzustand noch vorhanden ist. Apple empfiehlt einen Batteriewechsel typischerweise ab etwa 80 Prozent oder weniger.

Noch wichtiger für die Performance-Frage ist der Abschnitt Spitzenleistungsfähigkeit. Erscheint hier die Meldung, dass dein iPhone unerwartete Abschaltungen erlebt hat und nun Performance-Management aktiviert ist, wird deine Prozessorleistung gedrosselt. Du hast dann allerdings die Option, diese Funktion manuell zu deaktivieren – mit dem Risiko weiterer spontaner Shutdowns.

Batterietausch als nachhaltige Lösung

Wer sein iPhone wieder in Bestform bringen möchte, kommt um einen Batteriewechsel nicht herum. Nach dem Austausch durch einen zertifizierten Anbieter oder Apple selbst deaktiviert sich das Performance-Management, und das Gerät läuft wieder mit voller Geschwindigkeit.

Die Kosten für einen offiziellen Batterieaustausch bei Apple variieren je nach Modell. Drittanbieter sind oft günstiger, allerdings sollte man hier auf Qualität achten – minderwertige Ersatzbatterien können Sicherheitsrisiken bergen und im schlimmsten Fall sogar die Garantie beeinträchtigen.

Ein neuer Akku kann einem drei oder vier Jahre alten iPhone ein zweites Leben einhauchen. Gerade bei Modellen, deren Prozessor eigentlich noch leistungsfähig genug für aktuelle Apps ist, lohnt sich diese Investition deutlich mehr als ein kompletter Gerätewechsel. Die Performance kehrt zurück, Apps starten wieder flüssig, und das gefürchtete Ruckeln beim Scrollen verschwindet.

Mythen und Missverständnisse rund um die Drosselung

Ein hartnäckiges Gerücht besagt, dass Apple gezielt nach Software-Updates die Leistung drosselt, um neue Verkäufe anzukurbeln. Die Wahrheit ist differenzierter: Die Drosselung greift nur bei physisch degradierten Batterien und nur dann, wenn das System bereits eine Notabschaltung registriert hat. Ein fabrikneues iPhone oder eines mit gesunder Batterie läuft auch nach Updates mit voller Geschwindigkeit.

Ebenfalls falsch ist die Annahme, dass man durch bestimmte Einstellungen oder Apps die Drosselung umgehen könnte. Das Performance-Management ist tief im Betriebssystem verankert und lässt sich nur durch einen Batterietausch dauerhaft beheben oder durch die manuelle Deaktivierung in den Einstellungen – was aber das Risiko von Abschaltungen erhöht.

Vorbeugung: So schonst du deinen iPhone-Akku

Auch wenn Batteriedegradation unvermeidlich ist, lässt sich der Prozess verlangsamen. Vermeide extreme Temperaturen, besonders Hitze über 35 Grad beschleunigt die Alterung erheblich. Das iPhone beim Laden in der prallen Sonne liegen zu lassen oder es im Winter dauerhaft der Kälte auszusetzen, schadet der Batterie messbar.

Moderne iOS-Versionen bieten zudem die Funktion Optimiertes Laden an. Diese lernt deine Ladegewohnheiten und hält den Akku bei 80 Prozent, bis du das Gerät voraussichtlich nutzen wirst. Das reduziert die Zeit, die der Akku vollgeladen verbringt – ein Zustand, der die Alterung beschleunigt.

Der Umgang mit dem Batteriezustand wird für viele iPhone-Besitzer zur Gratwanderung zwischen Performance und Zuverlässigkeit. Wer die Zusammenhänge versteht und rechtzeitig handelt, kann seinem Gerät deutlich mehr Lebensjahre entlocken. Die Transparenz, die Apple nach der Kontroverse eingeführt hat, gibt Nutzern zumindest die Werkzeuge an die Hand, informierte Entscheidungen zu treffen – auch wenn der ideale Zeitpunkt für einen Batterietausch individuell verschieden bleibt.

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