Telegram wird oft als datenschutzfreundliche Messenger-Alternative wahrgenommen – doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich ein differenziertes Bild. Die App verschlüsselt reguläre Chats nicht Ende-zu-Ende, sondern speichert diese auf Cloud-Servern, wo sie theoretisch einsehbar sind. Zudem gibt Telegram IP-Adressen weiter auf behördliche Anfragen, ebenso wie Telefonnummern. Eine besonders kritische Funktion betrifft die Kontaktliste: Standardmäßig lädt die App alle gespeicherten Telefonnummern hoch und gleicht sie mit der Telegram-Datenbank ab. Was praktisch klingt, um Freunde zu finden, kann zum echten Datenschutzproblem werden. Die gute Nachricht: Mit wenigen Handgriffen lässt sich diese Funktion deaktivieren.
Warum der automatische Kontaktabgleich problematisch ist
Beim ersten Start fragt Telegram nach Zugriff auf eure Kontakte. Stimmt ihr zu, werden sämtliche Telefonnummern aus eurem Adressbuch an die Server übertragen – nicht nur die von Personen, die bereits Telegram nutzen. Das bedeutet: Auch Nummern eurer Arbeitskollegen, des Pizzaservices oder eurer Ärztin landen in der Telegram-Datenbank. Diese Personen haben dem niemals zugestimmt, und ihr habt auch nicht unbedingt das Recht, ihre Daten weiterzugeben.
Aus rechtlicher Sicht bewegt ihr euch damit in einer Grauzone. Die DSGVO verlangt grundsätzlich, dass personenbezogene Daten nur mit Einwilligung der Betroffenen weitergegeben werden dürfen. Zwar argumentieren Messenger-Dienste mit berechtigten Interessen, doch Datenschützer sehen das kritisch. Hinzu kommt: Telegram speichert Kontakte zwölf Monate lang auf seinen Servern nach eigenen Angaben, auch wenn ihr sie aus eurem Gerät löscht.
Der versteckte Schalter in den Datenschutzeinstellungen
Telegram bietet tatsächlich eine Möglichkeit, diesen automatischen Upload zu unterbinden – nur ist die Option ziemlich gut versteckt. Die meisten Nutzer wissen schlichtweg nicht, dass es diese Einstellung überhaupt gibt. Der Menüpunkt heißt etwas sperrig „In Kontakten gespeicherte Telefonnummern nicht teilen“ und findet sich tief in den Datenschutzoptionen.
Der Name ist dabei etwas irreführend. Es geht nicht nur darum, dass andere Nutzer eure Kontakte nicht sehen können – das können sie ohnehin nicht. Vielmehr verhindert diese Funktion, dass Telegram überhaupt Zugriff auf euer vollständiges Adressbuch erhält. Stattdessen könnt ihr dann manuell entscheiden, mit wem ihr auf der Plattform interagieren möchtet.
So deaktiviert ihr den Kontaktabgleich auf dem Smartphone
Die Vorgehensweise unterscheidet sich leicht zwischen Android und iOS, folgt aber grundsätzlich dem gleichen Schema. Öffnet zunächst Telegram und tippt auf die drei horizontalen Linien oben links bei Android oder auf „Einstellungen“ unten rechts bei iOS.
Navigiert dann zu Einstellungen → Privatsphäre und Sicherheit. Scrollt in diesem Menü nach unten, bis ihr den Abschnitt „Kontakte“ findet. Hier solltet ihr die Option „In Kontakten gespeicherte Telefonnummern nicht teilen“ oder auf Englisch „Suggest Frequent Contacts“ finden – die Bezeichnung variiert je nach Telegram-Version.
Aktiviert diese Option mit dem Schieberegler. Bei manchen Versionen müsst ihr stattdessen einen Haken setzen. Telegram zeigt euch daraufhin eine Warnung, dass die Synchronisierung beendet wird und ihr Kontakte künftig manuell hinzufügen müsst. Bestätigt diese Meldung.
Zusätzlicher Schutz auf Betriebssystemebene
Noch konsequenter seid ihr, wenn ihr Telegram den Zugriff auf eure Kontakte bereits auf Betriebssystemebene entzieht. Unter Android geht das über Einstellungen → Apps → Telegram → Berechtigungen → Kontakte. Widerruft hier den Zugriff.

Auf dem iPhone navigiert ihr zu Einstellungen → Telegram → Kontakte und setzt die Option auf „Aus“. Der Vorteil: Selbst wenn Telegram aus irgendeinem Grund versuchen sollte, auf eure Kontaktliste zuzugreifen, verhindert das Betriebssystem dies komplett.
Was passiert nach der Deaktivierung?
Nach der Deaktivierung bleiben eure bestehenden Telegram-Kontakte erhalten. Ihr verliert also nicht den Zugang zu Personen, mit denen ihr bereits chattet. Allerdings müsst ihr neue Kontakte künftig manuell über deren Benutzername, einen Einladungslink oder durch Scannen ihres QR-Codes hinzufügen.
Die bereits hochgeladenen Kontaktdaten verbleiben zunächst auf den Telegram-Servern. Um diese zu entfernen, müsst ihr einen zusätzlichen Schritt gehen: In den Einstellungen unter „Privatsphäre und Sicherheit“ findet ihr die Option „Kontakte löschen“ oder „Delete Synced Contacts“. Ein Tipp darauf entfernt alle synchronisierten Telefonnummern von den Telegram-Servern.
Praktische Alternativen zum automatischen Kontaktabgleich
Ohne automatische Synchronisierung müsst ihr kreativ werden, um neue Kontakte zu finden. Telegram bietet dafür mehrere elegante Lösungen, die oft sogar praktischer sind als der klassische Nummernabgleich. Jeder Telegram-Nutzer kann sich einen eindeutigen Benutzernamen einrichten, der mit einem @-Zeichen beginnt und wie eine E-Mail-Adresse funktioniert – nur eben für Telegram. Ihr könnt Personen einfach nach ihrem Nutzernamen fragen und sie dann über die Suchfunktion hinzufügen, ohne deren Telefonnummer zu kennen.
In den Einstellungen findet ihr außerdem euren persönlichen Telegram-QR-Code. Andere können diesen mit ihrer Telegram-App scannen und euch so direkt hinzufügen. Umgekehrt könnt ihr fremde QR-Codes scannen – perfekt für Networking-Events oder wenn ihr jemanden persönlich trefft. Über euer Profil könnt ihr zudem temporäre Einladungslinks generieren, die ihr per E-Mail, WhatsApp oder anderen Kanälen teilen könnt. Der Empfänger klickt einfach darauf und landet direkt in eurem Telegram-Chat.
Weitere Datenschutz-Tweaks für Telegram-Nutzer
Wenn ihr schon dabei seid, eure Privatsphäre auf Telegram zu optimieren, lohnen sich noch ein paar zusätzliche Anpassungen. Unter „Telefonnummer“ in den Datenschutzeinstellungen könnt ihr festlegen, wer eure Nummer sehen darf – empfehlenswert ist hier „Meine Kontakte“ oder sogar „Niemand“.
Die Option „Zuletzt online“ solltet ihr ebenfalls einschränken, wenn ihr nicht möchtet, dass jeder sieht, wann ihr zuletzt aktiv wart. Besonders interessant: Ihr könnt Ausnahmen definieren, sodass bestimmte Personen mehr oder weniger Informationen erhalten als die Standardeinstellung vorsieht.
Unter „Anrufe“ könnt ihr einstellen, ob ihr Peer-to-Peer-Verbindungen zulassen wollt. Diese verbessern die Anrufqualität, geben dem Gesprächspartner aber potenziell eure IP-Adresse preis. Die sichere Variante: P2P nur für Kontakte oder komplett deaktivieren.
Telegram entwickelt seine Datenschutzfunktionen kontinuierlich weiter, weshalb sich regelmäßige Blicke in die Einstellungen lohnen. Die Funktion zur Kontrolle des Kontaktabgleichs ist dabei eine der wichtigsten, wird aber von den wenigsten Nutzern aktiv verwendet – obwohl sie fundamentalen Einfluss darauf hat, welche Daten ihr mit dem Dienst teilt. Mit ein paar Minuten Konfigurationsaufwand schützt ihr nicht nur eure eigene Privatsphäre, sondern auch die eurer gespeicherten Kontakte, die vielleicht gar nicht wissen, dass ihre Nummer in einer Cloud-Datenbank liegt.
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